anarchismus, der; vol 1

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anarchismus, der; vol 1

Beitrag von Victorien am Sa Feb 16 2008, 22:14

anarchismus, der


anarchisten, die ( 1 )


während joes zweitem trip an bord der leif erikson machten sie den ganzen langen weg bis nach afrika, wo hagbard eine wichtige konferenz mit fünf gorillas hatte. jedenfalls sagte er hinterher, daß sie wichtig gewesen sei; joe konnte das nicht beurteilen, da die unterhaltung auf suaheli geführt wurde.

«sie sprechen ein wenig englisch», erklärte hagbard zurück an bord,

«aber ich ziehe suaheli vor, da sie darin gewandter sind und besser nuancieren können. »

«bist du der erste mensch, der einem affen das sprechen lehrt»,
fragte joe, «neben all deinen anderen fertigkeiten?»
«oh, nein», sagte hagbard bescheiden. «das ist ein altes geheimnis der diskordier.
der erste mensch, der mit einem gorilla kommunizierte, war ein erisischer missionar namens malaclypse der ältere, der in athen geboren und später ins exil geschickt wurde, weil er sich der auflage der vorherrschaft des mannes widersetzte, als die athener das patriarchat einführten und ihre frauen einsperrten. also machte er sich auf die wanderschaft durch die ganze alte welt, lernte allerlei geheimnisse und hinterließ eine unschätzbare sammlung der aufregendsten legenden; er ist der phönix madman in den schriften des konfuzius; auch brachte er es fertig, als krishna durchzugehen und aus der bhagavadgita, aus jener prachtvollen bibel revolutionärer ethik vor arjuna, in indien, zu rezitieren. das neben anderen großen taten. ich glaube, du hast ihn in chicago getroffen, als er vorgab, der christliche teufel zu sein.»

«aber wie habt ihr diskordier es fertiggebracht, die tatsache, daß gorillas sprechen können, zu verheimlichen?»
«wir sind eher schweigsam, könnte man sagen, und wenn wir schon mal reden, dann gewöhnlich, um jemanden hereinzulegen oder ihn ausflippen zu lassen ... »
«das habe ich schon mitgekriegt», sagte joe.
«und die gorillas selbst sind zu gescheit, zu irgend jemand anderem als zu anderen anarchisten zu sprechen. weißt du, sie sind alle selbst anarchisten und sie lassen den menschen gegenüber im allgemeinen, und regierungsleuten im besonderen, eine gesunde vorsicht walten.
so sagte mir einmal einer: ‹würde es einmal durchsickern, daß wir sprechen können, würden die konservativen die meisten von uns ausrotten und die überlebenden pacht zahlen lassen, um auf ihrem eigenen land zu leben; und die liberalen würden versuchen, uns zu fließbandarbeitern zu machen. wer zum teufel will aber schon am fließband stehen?› sie ziehen ihre eigene, pastorale und eristische art zu leben vor, und ich selbst würde sie nie daran hindern. doch kommmunizieren wir mit ihnen, genau wie wir mit delphinen kommunizieren. beide arten sind intelligent genug, zu realisieren, daß es für sie, als teil der biosphäre unserer erde, von eigenem interesse ist, jener handvoll menschlicher anarchisten zu helfen, die den aderlaß und das schlachten unserer aneristischen herrscher und des aneristischen mobs zu stoppen oder wenigstens einzuschränken versuchen.»

«manchmal verwirren mich deine theologischen — oder waren es psychologische? — redewendungen immer noch. die aneristischen kräfte, vor allem die illuminaten, sind struktur-freaks: sie wollen ihr ordnungskonzept jedem anderen auferlegen. noch mehr verwirren mich die unterschiede zwischen den erisiern, den eristikern und den diskordiern. von den jams ganz zu schweigen.»
«das eristische ist der gegensatz zum aneristischen», erklärte hagbard voller geduld, «und deshalb miteinander identisch. erinnere dich des hodge-podge.
autoren wie de sade, max stirner und nietzsche sind eristiker;
ebenso die gorillas. sie repräsentieren die totale vorherrschaft des individuums, die totale negation der gruppe. das bedeutet nicht unbedingt den krieg aller gegen alle, wie die aneristischen philosophen es sehen, in stress-situationen kann es aber dahingehend ausarten. meistens bleibt es aber ziemlich friedlich, wie unsere behaarten freunde in den bäumen dort drüben beweisen.
die erisische position ist eine gemäßigte; sie erkennt an, daß die aneristischen kräfte auch einen teil des weltdramas darstellen und niemals völlig abgeschafft werden können.
wir betonen das eristische bloß als balance, weil die menschliche gesellschaft das ganze fische-zeitalter hindurch in grotesker weise zum aneristischen gekippt ist. wir diskordier sind die aktivisten innerhalb der eristischen bewegung; wir unternehmen etwas. die reinen erisier arbeiten mit mehr mystischen methoden, und das in übereinstimmung mit dem taoistischen prinzip des wu-wei - effektiv nichts zu tun.
die jams bilden den linken flügel, sie hätten aneristiker werden können, hätte es nicht außergewöhnliche umstände gegeben, die sie in eine liberale richtung drängten. aber sie haben mit ihren typischen linken haßtrips alles vermasselt.
sie haben die gita nicht begriffen: die kunst, mit liebe im herzen zu kämpfen.»





anarchisten, die ( 2 )


anarchisten, seid ihr geister
[b]aus der hölle tiefsten gründen?

ist der böse euer meister,
wollt die menschheit ihr anzünden?
bringt ihr eine feuerflut?
ach, ihr wißt nicht, was ihr tut!
kehret in euch – recht und ehre
sind des weltalls große lehre,
wie der wahn euch auch betöre,
kehrt zurück zu recht und ehre!
scheußlich ist der meuchelmord,
furien weilen an dem ort!
scheußlicher ist: feuer zünden,
ist die ärgste aller sünden –
höllenstrafen zu verkünden,
konnte man nichts schlimmres finden!
gift und mord und feuerbrand
sind verdammt von land zu land!
was die leidenschaft auch meinet,
was dem wahnwitz richtig scheinet.
kehrt zurück zu recht und ehre,
merkt euch der geschichte lehre:
niemals nützlich war der mord:
und es gibt ein ew'ges dort!
~ friederike kempner ~





der anarchist ( 3 )

reicht mir in der todesstunde
nicht in gnaden den pokal!
von des weibes heißem munde
laßt mich trinken noch einmal!
mögt ihr sinnlos euch berauschen,
wenn mein blut zerrinnt im sand.
meinen kuß mag sie nicht tauschen,
nicht für brot aus henkershand.
einen sohn wird sie gebären,
dem mein kreuz im herzen steht,
der für seiner mutter zähren
eurer kinder häupter mäht.
~ frank wedekind ~
ich hab meine tante geschlachtet.
frankfurt am main 1982






anarchist, der ( 4 )



meiner meinung nach ist heliogabal kein wahnsinniger, sondern ein aufrührer.1. gegen die polytheistische römische anarchie.
2. gegen die römische monarchie, die er sich in den hintern gesteckt hat.
doch die beiden revolten, diese zwiefache auflehnung vermengt sich in ihm, prägt sein gesamtes verhalten, beherrscht während seiner vierjährigen regierungszeit alle seine handlungen, selbst die unbedeutendsten.
seine auflehnung ist systematisch und scharfsinnig, und er richtet sie zuallererst gegen sich selbst.

verkleidet sich heliogabal als lustknabe und verkauft sich für ein paar groschen vor den christlichen kirchen und vor den tempeln der römischen götter, so hat er es nicht nur auf die befriedigung eines lasters, sondern auf die demütigung des römischen monarchen abgesehen.

setzt er einen tänzer an die spitze seiner prätorianergarde, verwirklicht er dadurch eine art unbestreitbare, aber gefährliche anarchie. er verspottet die feigheit der monarchen, seiner vorgänger antoninus und marcus aurelius, und äußert die meinung, als befehlshaber einer polizeitruppe genüge ein tänzer vollauf. er nennt schwäche stärke und theater wirklichkeit. er bringt die überkommene ordnung, die ideen, die einfachsten vorstellungen von den dingen durcheinander. er betreibt eine gründliche anarchie, die gefährlich ist, da er sich aller augen aussetzt. kurz, er riskiert seine haut. und so gehört sich's für einen mutigen anarchisten.

schließlich führt er seine absicht einer minderung der werte, einer ungeheuren moralischen zersetzung weiter, indem er seine minister nach der länge ihres gliedes auswählt.

~ antonin artaud ~
heliogabal oder der anarchist auf dem thron.
münchen, frankfurt am main
1980 (zuerst 1967)


Zuletzt von am Sa Feb 16 2008, 23:26 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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anarchismus, der; vol 2

Beitrag von Victorien am Sa Feb 16 2008, 23:25

anarchist, der ( 5 )



»den kenne ich«, sagte er. »das ist ein grimmiger anarchist, den sie im prager tagblatt als kuriosität aushalten.« »sie nehmen die tschechischen anarchisten nicht ernst?«
kafka lächelte verlegen.
»das ist sehr schwer. diese leute, die sich selbst anarchisten nennen, sind so lieb und freundlich, daß man ihnen jedes wort glauben muß. gleichzeitig aber kann man ihnen - eben wegen dieser ihrer eigenschaften - nicht glauben, daß sie wirklich solche weltzerstörer sein könnten, wie sie behaupten.«

»sie kennen sie also persönlich?«
»ein wenig. es sind sehr liebe, lustige menschen.«

~ gustav janouch ~
gespräche mit kafka.
aufzeichnungen und erinnerungen.
frankfurt am main
1981
(fischer tb. 5093, zuerst 1954)





anarchist, der ( 6 )


scheidecker sah nicht nur degeneriert aus, er war es auch. er hatte von seiner frühesten jugend an ein ausschweifendes leben geführt.

der anarchismus war bei ihm auch nur ein sexueller reiz, und so ist es gar nicht zu verwundern, daß ein halbes jahr untersuchungshaft ihn gänzlich barch. um sich aus dem gefängnis zu retten, verriet er alle seine kameraden, von denen er irgend ein vergehen wußte.
ja, er log sogar noch einiges dazu.es kamen dadurch einige dutzend in der schweiz lebende anarchisten ins gefängnis. darunter auch solche, die freunde scheideckers waren und ihm vollkommen vertraut hatten. auch solche, die zu den anständigsten menschen gehörten, denen ich jemals begegnet bin.
als man ihn später der schweiz auslieferte, wurde er wahnsinnig und saß einige jahre im zürcher irrenhaus, wo er an religiösen visionen litt.




dynamit - attentäter, der


dynamit-attentäter sind typische dynamit-attentäter.
sie schlendern in eine kaschemme, blinzeln sich beim eintritt zu, kauen an einem zünder, hüsteln anzüglich, begrüßen sich — wenn nur die kellnerin zuhört — mit spreng heil!, drücken sich nur in kilogramm tnt aus, zeigen einander ihre sprengwunden und polizeilichen brandnarben, teilen die landschaft in planquadrate, brummen unhörbar „du nimmst dir c 5 — ich geh auf d 4", schwärzen sich das gesicht mit korkruß, die weißen zähne blitzen nur so, sie lesen in zeitungen am liebsten die anschlagsmeldungen, haben alle chemie studiert, telephonieren in nachtklosetten, sagen von einem schönen mädchen „das ist eine brisante katz!", schleichen in steinbrüchen hinter die sprengfahne und stopfen sich die taschen mit plastischem sprengstoff voll, detonieren gelegentlich,
wenn sie im rausch hinfallen,
wünschen sich,
die politik möge nie aufhören,
und der liebe gott hat immer noch ein einsehen gehabt
und sie hört tatsächlich nicht auf.






blasphemie, die ( 1 )


blasphemie es war eine kolossale und grausenhafte blasphemie,
ein unsäglich verbotenes ungeheuer mit infernalisch glühenden roten augen,
das in seinen skeletthaften krallen einen lebenden menschen umklammert hielt, dessen kopf es, wie ein kind, das sich an einer zuckerstange gütlich tut, abknabberte.

es schien sprungbereit niedergekauert zu sein, so daß man den eindruck gewann, es könne jeden augenblick seine grausige beute fallenlassen, um nach einer saftigeren beute zu fassen.

aber, verdammt noch mal, es war ja nicht einmal gar so sehr dieses höllische hundewesen, das mir diesen panischen schock versetzte, es waren nicht diese hundeschnauze, die zottigen fledermausohren, die blutunterlaufenen augen, die breitgedrückte nase, die zurückgezogenen lefzen, aber auch nicht die schuppigen krallen, der lehmüberkrustete rumpf oder die halbhufigen satansfüße — obgleich schon allein dieser anblick genügt hätte, einen weniger stabilen menschen in den ausweglosesten wahnsinn zu treiben....
~ h. p. lovecraft ~
pickmans modell,
in: h. p. lovecraft, cthulhu.
geistergeschichten.
übs. h. c. artmann.
frankfurt am main 1972
(st 29, zuerst 1928)





blasphemie, die ( 2 )


ein kritiker hat mir einmal mit indigniert vernünftiger miene vorgehalten: »wenn sie schon witze machen müssen, dann doch wenigstens nicht über so ernsthafte dinge.« ich antwortete mit selbstverständlicher einfalt und verwunderung:
»über was soll man sonst witze machen, wenn nicht über ernsthafte dinge?«

von blasphemischen scherzen zu sprechen ist ganz unsinnig.
alles scherzen ist seinem wesen nach blasphemie; es muß ja die plötzliche erkenntnis sein, daß etwas, was sich für todernst hält, eigentlich gar nicht so todernst ist. handelt ein witz nicht von religion oder moral, dann handelt er von polizeibeamten oder professoren der naturwissenschaft oder studenten, die sich als königin viktoria verkleidet haben. und über den polizeibeamten wird mehr gewitzelt als über den papst, nicht weil der erstere etwas unernsteres, sondern im gegenteil weil er etwas ernsteres ist als der papst.

der bischof von rom hat in england keine gesetzesgewalt; der polizeibeamte hingegen kann uns ganz plötzlich zu spüren geben, daß er etwas todernstes ist. mehr witze als über bischöfe macht man über alte professoren der naturwissenschaft - nicht weil die wissenschaft harmloser, sondern weil sie per se durchweg ernster und strenger ist als die religion. nicht nur ich mache witze über dinge von größtem gewicht, ja nicht einmal nur eine bestimmte sorte journalisten oder spaßmacher, sondern das gesamte menschengeschlecht.

wenn es eines gibt, dem jeder, der die welt auch nur ein bißchen kennt, sofort beipflichten würde, dann ist es die tatsache, daß die menschen über alles unwichtige stets in gewichtigem und ernstem und überaus bedächtigem ton, über alles wichtige hingegen immer im unernst sprechen. mit den mienen eines kardinalskollegiums können männer stundenlang über dinge wie golf, tabak, westen oder parteipolitik sprechen. aber die schwerwiegendsten und erhabensten dinge der welt liefern auch die ältesten witze - heiraten; gehängt werden.
~ gilbert keith chesterton~,
ketzer.
eine verteidigung der orthodoxie gegen ihre verächter.
frankfurt am main
2004
(it 3023, zuerst 1905)





psychose, kriminelle

kriminelle in uns allen stekt heute noch storch,
stekt carlstadt,
stekt luther,
steken die wiedertäufer,
stekt thomas münzer,
stekt hutten und steken alle die andern.


diese geistige ahnen-reihe vererbt mit fast sicherer unabänderlichkeit und schiksalsschwere ihr unheimliches ferment, als das edle blaue blut unter dem adel, das hochfürstliche, gottbegnadete blut unter den monarchen, oder das gemeine rote blut unter den bürgern und arbeitern, nach der fisischen seite hin sich fortsezt. diese grosse fänomenologie des geistes, dieses unabänderliche karma der weltgeschichte, welche von geistiger tat zu geistiger tat rechnet, ist unauslöschlich, ist ein verzehrendes feuer und geht von jesaia bis nietzsche.


hier muss also die polizei eingreifen.


— in der vergangenheit ist nicht-mehr-gutzumachendes geschehen.
— aber in der gegenwart, heute, wo der kranke zustand solch' frevelnder köpfe mit hilfe der wissenschaft deutlich nachgewiesen werden kann, muss die obrigkeit, muss die staatsanwaltschaft, müssen die fürsten, muss der staat, muss die regierung mit starker hand eingreifen, diese kranken keime — in badewannen oder sonstwie — eliminiren, um die grosse masse intakter, monarchischer hirne vor dem zersezungsprozess zu bewahren.

die psichopatia criminalis zieht sich wie ein roter faden durch alle revoluzjonären bewegungen des altertums wie der gegenwart.
sie stekte in harmodius und aristogeiton, sie stekte in kleon dem gerber, sie wühlte in dem jeder sitlichen basis entbehrenden aristophanes, und sie ward in dem von einem fabelhaften ehrgeiz getriebenen sokrates manifest.

alle diese falschen idealisten, die immer nur an sich denken, und dabei das volk vorschieben, sind kriminelle psichopatiker. psichopatia criminalis war es, was die plebejer auf den mons sacer hinauftrieb, sie beseelte die gracchen, und sie entzündete den frevlen mut eines catilina und brutus.

psichopatia criminalis war es, was den verwegenen arnold von ßrescia sich gegen die gottgeheiligte majestät des unbeflekt empfangenen papstes auflehnen liess, was wicliff und hus revoltirte, was savonarola den verstand raubte, was in luther wütete, was die gesamten sektirerischen geister im sechzehnten jahrhundert ausser rand und band brachte.

das herliche deutsche volk war dank der grossen resistenzkraft seiner monarchisch gebauten nervenfasern lange zeit von der schreklichen krankheit verschont, bis wälsche einflüsse, besonders von frankreich her, auch hier bresche legten, und das ahnungsloseste gemüt, das auf der welt existirt, endlich ebenfalls über sich nachzudenken begann.

denken ist immer eine schlimme sache.
~ oskar panizza ~
die kriminelle psychose,
genannt psichopatia criminalis.
hilfsbuch für ärzte, laien, juristen,
vormünder, verwaltungsbeamte, minister etc.
zur diagnose der politischen gehirnerkrankung.
münchen 1985
(matthes & seitz debatte 21, zuerst 1898)



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anarchismus, der; vol 3

Beitrag von Victorien am Sa Feb 16 2008, 23:32

weltumkrempelung, die

ich werde die welt nicht nur verändern,
ich werde sie umkrempeln.


und wie soll das geschehen?


wollte oppenheimer wissen.
mit meinem glied,
freund, mit meinem glied.
sagte goldenberg
und warf eine münze in den automaten.
~ konrad bayer ~
der sechste sinn.
roman.
reinbek bei hamburg
1969






grausamkeit, die


der egoistenklub ist einer der genialsten orte in london. dorthin kann man seine schritte lenken, wenn man das bedürfnis hat, den seltsamen traum der vergangenen nacht zu erzählen oder der mitwelt zu verkünden, was für einen guten zahnarzt man entdeckt hat. man kann dort in ruhe briefe schreiben, wenn man will, oder auch das temperament einer jane austen entfalten; denn es gibt keinen raum, in dem schweigepflicht herrscht.
beschäftigt oder in gedanken vertieft zu erscheinen, wenn man von einem anderen mitglied angeredet wird, gilt als verstoß gegen die klubetikette. zwei gesprächsstoffe sind allerdings tabu: golf und fischen. und wenn der antrag des hon.
freddy arbuthnot bei der nächsten ausschußsitzung durchgeht, dann darf auch das thema radio nicht angeschnitten werden. im übrigen ist der klub nicht besonders exklusiv. niemand ist von vornherein ausgeschlossen mit ausnahme von starken, schweigenden männern. die kandidaten müssen jedoch bestimmte proben bestehen.
welcher art diese proben sind, geht daraus hervor, daß ein gewisser hervorragender forscher nicht aufgenommen wurde, weil er eine sehr starke trichnopoly-zigarre annahm und sie zu einem 63er portwein rauchte. [/FONT
[FONT=Georgia]dagegen wurde der gute alte sir roger bunt

(der hökermillionär, der das preisausschreiben einer sonntagszeitung in höhe von zwanzigtausend pfund gewann und damit einen ungeheuren restaurationsbetrieb in den midlands begründete)sehr gerühmt und einstimmig gewählt, nachdem er offen erklärt hatte, daß ihm in dieser hinsicht bier und eine pfeife völlig genügten.
wie lord peter bemerkte: «niemand macht sich etwas aus roheit, - aber bei grausamkeit muß man die grenze ziehen.»
~ dorothy sayers ~
die katze im sack.
münchen
1979
(zuerst ca. 1930)







irrtum, angeborener


es giebt nur einen angeborenen irrthum, und es ist der, daß wir dasind, um glücklich zu seyn. angeboren ist er uns, weil er mit unserm daseyn selbst zusammenfällt, und unser ganzes wesen eben nur seine paraphrase, ja unser leib sein monogramm [grundriß] ist: sind wir doch eben nur wille zum leben; die successive befriedigung alles unsers wollens aber ist was man durch den begriff des glückes denkt.
so lange wir in diesem angeborenen irrthum verharren, auch wohl gar noch durch optimistische dogmen in ihm bestärkt werden, erscheint uns die welt voll widersprüche. denn bei jedem schritt, im großen wie im kleinen, müssen wir erfahren, daß die welt und das leben durchaus nicht darauf eingerichtet sind, ein glückliches daseyn zu enthalten.
während nun hiedurch der gedankenlose sich eben bloß in der wirklichkeit geplagt fühlt, kommt bei dem, welcher denkt, zur pein in der realität noch die theoretische perplexität hinzu, warum eine welt und ein leben, welche doch ein mal dazu dasind, daß man darin glücklich sei, ihrem zwecke so schlecht entsprechen?






egoismus, der ( 1 )

mir geht in dieser welt nichts über mich.
~ johann wolfgang von goethe ~






egoismus, der ( 2 )

nemo contra deum nisi deus ipse.
~ johann wolfgang von goethe ~





egoismus, der ( 3 )

wenn ich dich liebe, was geht's dich an.
~ johann wolfgang von goethe ~







egoismus, der ( 4 )


aber seht doch jenen sultan an, der für »die seinen« so liebreich sorgt. ist er nicht die pure uneigennützigkeit selber und opfert er sich nicht stündlich für die seinen?

ja wohl, für »die seinen«. versuch' es einmal und zeige dich nicht als der seine, sondern als der deine: du wirst dafür, daß du seinem egoismus dich entzogst, in den kerker wandern. der sultan hat seine sache auf nichts, als auf sich gestellt: er ist sich alles in allem, ist sich der [e]inzige und duldet keinen, der es wagte, nicht einer der »seinen« zu sein.
und an diesen glänzenden beispielen wollt ihr nicht lernen, daß der egoist am besten fährt? ich meinesteils nehme mir eine lehre daran und will, statt jenen großen egoisten ferner uneigennützig zu dienen, lieber selber der egoist sein. gott und die menschheit haben ihre sache auf nichts gestellt, auf nichts als auf sich. stelle ich denn meine sache gleichfalls auf mich, der ich so gut wie gott das nichts von allem andern, der ich mein alles, der ich der einzige bin.
hat gott, hat die menschheit, wie ihr versichert, gehalt genug in sich, um sich alles in allem zu sein: so spüre ich, daß es mir noch weit weniger daran fehlen wird, und daß ich über meine »leerheit« keine klage zu führen haben werde. ich bin [nicht] nichts im sinne der leerheit, sondern das schöpferische nichts, das nichts, aus welchem ich selbst als schöpfer alles schaffe.
fort denn mit jeder sache, die nicht ganz und gar meine sache ist! ihr meint. meine sache müsse wenigstens die »gute sache« sein? was gut, was böse! ich bin ja selber meine sache, und ich bin weder gut noch böse. beides hat für mich keinen sinn.
das göttliche ist gottes sache, das menschliche sache »des menschen«. meine sache ist weder das göttliche noch das menschliche, ist nicht das wahre, gute, rechte, freie u. s. w., sondern allein das meinige, und sie ist keine allgemeine, sondern ist - einzig, wie ich einzig bin.

mir geht in dieser welt nichts über mich.

~ max stirner ~
der einzige und sein eigentum
(zuerst 1845)



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Re: anarchismus, der; vol 1

Beitrag von Spoletta am So Feb 17 2008, 00:03

Dies sollte sofort verboten werden und der Autor gehört strengstens bestraft.
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versenken

Beitrag von Andrias S. am Do Feb 21 2008, 02:40

Spoletta schrieb:Dies sollte sofort verboten werden und der Autor gehört strengstens bestraft.

jawohl.



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anarchie im internetz

Beitrag von Béatrice am Do Feb 21 2008, 23:26

anarchie im internetz

heute :
eine unredliche debatte


Dominic Dauphin wrote:

Hat sich eigentlich schon mal der Verfassungsschutz bei dir gemeldet?


From: B. Huber To: Dominic Dauphin

Sent: Tuesday, October 16, 2001 8:25 PM
Subject: Re: ANARCHIE PAGE



HALLO!

Nein nur die Polizei im Auftrag des Staatsanwaltes.

Bei der Vernehmung wurde ich auch gefragt, ob ich mit dem VS reden würde, die würden sich wahrscheinlich bei mir melden.

Ich hab geantwortet, dass sie mich gern anrufen können, dass ich aber nur Auskünfte gebe wenn ich gesetzlich dazu verpflichtet bin, nach Rücksprache mit meinem Anwalt.

Bis jetzt hab ich nix von denen gehört.

GRUSS BENIE



Dominic Dauphin wrote:


Als Experte für das Grundgesetz sowie für die meisten deutschen Gesetzbücher kann ich objektiv feststellen dass sich diese Internetseite als Propagandamittel zwecks Bekämpfung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie sämtlicher Werte die sich dieses Land in den letzten 50 Jahren hart erarbeitet hat benutzt wird.

Ich hoffe dass diese Seite gesperrt wird. So wie ich das sehe haben du und deine Kumpane das Recht der freien Meinungsäußerung weit überschritten und offen zum Sturz unserer schützenswerten Verfassung aufgerufen. Das ist allemal der Tatbestand "Verrat gegen den Bund", "Aufruf zu umstürzlerischen Aktionen", eventuell ist auch Volksverhetzung drin. Für mehr müsste ich jetzt nachschlagen, dafür bin ich aber zu faul.

Ich halte eure Mentalität für gleichwertig mit der der RAF. Du wirst vor Gericht sitzen, darauf kannst du dich verlassen.

CU Dominic



From: B. Huber To: dominic

Sent: Wednesday, October 17, 2001 2:35 AM
Subject: Re: ANARCHIE PAGE

Lieber Dominic,

Ts ts ts geht in die elfte Klasse und ist schon Experte der so wilde Drohungen ausstösst!
Aber bitte, Kleiner wenn Du willst, wende Dich doch bitte an die

Staatsanwaltschaft München I
z. H. Herrn StA Beß
Linprunstrasse 25
80535 München
Tel. 89/5597-4829
Fax. 89/5597-5145

Herr Bess ist mit meinem "Fall" bereits vertraut. Bis jetzt wurden alle Ermittlungen wegen Anzeigen von Leuten Deiner Gesinnung allerdings eingestellt, sogar ohne dass ich einen meiner Anwälte hätte bemühen müssen.
Kannst natürlich auch in Ingolstadt zu jeder Polizeidienststelle gehn die leiten das dann auch dahin weiter, wenn sie Dir keinen Vogel zeigen.

Trotzdem in gespannter Erwartung, Beni

PS:
"Verrat gegen den Bund" was soll den das fürn Quatsch sein Du "Experte" *LOL*, Du solltest längst im Bett sein ich glaub ich ruf Deine Eltern an! :-)




Antwort von Dominic Dauphin:


Jetzt pass mal auf Bürschchen, und komm mir nicht so großkotzig und arrogant.

1. Bin ich in der 13., nur so ganz nebenbei gesagt.
Und für deine Arroganz hast du überhaupt keinen Grund, du bist es nämlich gegen den sich die öffentliche Meinung richtet. Mit deinen verkakten Ideologien lockst du keinen Hund hinterm Ofen vor.

Du bist ein Staatsfeind, ein Linksfaschist, einfach nur das letzte, fast so schlimm wie Nazis. Und du wirst noch dein Fett weg kriegen.

Es ist erschütternd, dass 11 Jahre nach dem Tod des Kommunismus und 3 Jahre nach dem Ende der RAF immer noch Typen wie dich gibt.
Leider viel zu viele, wie der Verfassungsschutz weiß
(lies dir mal durch unter:


Da du außer Beleidigungen und Arroganz nichts draufhast, erübrigt sich jede weitere Diskussion.
Ich habe meinen E-Mailaccound so eingestellt, dass E-Mails von dir sofort gelöscht werden.

Artikel hier erfasst: 17.10.2001


es lebe die internationale kryptoblödheit




blumenkraft,ewige.



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schweinkram

Beitrag von zweich am Sa Feb 23 2008, 17:21

schweinkram


"stellungnahme der antifaschistischen aktion münchen

es wurde durch einen zufall von uns festgestellt, dass ein mitglied unserer organisation über einen längeren zeitraum größere mengen pornographisches matrials aus dem internet auf seinen rechner heruntergeladen und dort gespeichert hat und versucht hat, dies geheim zu halten.
dies alles geschah, obwohl:
- er stets vorgab, dass der kampf gegen patriachat und sexismus zu seinen zielen gehöre;
- er zumindest einmal unsere gruppe auf diskussionen und seminaren zu diesem thema vertreten und dementsprechende verantwortung auch nach außen übernommen hat;
- ihm klar sein mußte, dass er gegen die grundsätze unserer organisation verstossen hat, d.h. er uns auf unsolidarische art und weise getäuscht hat und seiner vorbildfunktion nicht gerecht wurde.
daraus ergibt sich für uns als organisation der entschluss, dieser person die mitgliedschaft in der aam zu entziehen, da die für einen gemeinsame politische arbeit notwendige vertrauensgrundlage nicht mehr besteht.
besonders enttäuscht und überrascht waren wir von der tatsache, dass die person immer vorgab, einen entwicklungsstand erreicht zu haben, der derartige handlungen nicht zulassen würde, tatsächlich aber unsere und seine selbst aufgestellten maßstäbe für ihn wohl nur makulatur waren.
dieser grundlegende gegensatz zwischen wort und tat kann und wird von uns nicht toleriert werden. für uns stellt stellt sich der umgang damit als recht schwierig dar, da wir uns als organisation nicht vorwerfen können, die entwicklung unserer mitglieder auf diesem gebiet vernachlässigt zu haben.
wenn offiziell von einer person vollkommene übereinstimmung mit den thesen und werten der gruppe besteht, die persönliche umsetzung dieser thesen und werte aber nicht vorhanden ist und diese tatsache vor der oranisation verdeckt wird, so hat eine halboffene gruppe - wie die aam - keine möglichkeit mehr daruf einfluß zu nehmen.
der aam, also auch dem ehemaligen mitglied, ist bewusst, das kommerzielle pornographie in dieser gesellschaft eine milliardenschwere industrie ist, die auf profitgier und der "verwertung" der frau als "ware" basiert.
dennoch kann der konsum dieses menschenverachtenden drecks nicht gleichgesetzt werden mit persönlicher, direkter sexuellen gewalt gegen andere menschen. diesen vorwurf erheben wir gegen die person ausdrücklich nicht!
da für uns die hauptsächliche verfehlung der person in dem gelebten widerspruch zwischen theorie und praxis besteht, sehen wir keinen sinn darin, eine theoretische auseinandersetzung darüber ausserhalb unserer organisation zu vertiefen. vielmehr werden wir unserer politische arbeit intensiviert fortsetzen, was eine weitere interne aufarbeitung einschliesst.
wir erwarten von der person eine erklärung zu den gegen ihn gerichteten vorwürfen und weitergehend eine politische auseinandersetztung damit. desweiteren hoffen wir, dass diese person endlich die konsequenzen aus seinem handeln zieht, indem er tatsächlich seine angeblichen vorhandenen maßstäbe umsetzt und legen ihm nahe, sich aus allen politischen stukturen, in denen er aktiv war, zurückzuziehen. "

antifaschistische aktion münchen, den 12. februar 2001



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Re: anarchismus, der; vol 1

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